Blogeinträge
Der verlorene Glaube an Gerechtigkeit-2022
Damals dachte ich, dass ich den Glauben an die Gerechtigkeit, die Hoffnung und das Vertrauen an das Gute im Menschen verlieren würde. Doch in Wahrheit war all dies schon etliche Jahre zuvor in mir zerbrochen, ganz leise und unbemerkt. Ich sah mich als Opfer der Umstände, gefangen in einem System, das mir jede Stimme zu nehmen schien. Aus dieser inneren Ohnmacht erwachte der alte Rebell in mir, der sich weigerte, still zu bleiben.
Ich begann zu schreiben: Briefe an den Papst, an Umwelt-, Frauen- und Kinderaktivisten, an die Führer unseres Landes. Ich schrieb an all jene, die im Namen der von Gott gegebenen Chancengleichheit sprachen und doch so oft nur blendende Worte fanden. Meine Zeilen waren ein stiller Schrei nach Wahrheit, nach Menschlichkeit und nach einem Funken Hoffnung, dass Gerechtigkeit mehr sein könnte als ein leeres Versprechen.
Mit jedem Brief legte ich ein weiteres Stück meiner Geschichte offen: die Enttäuschungen, die Verletzungen, die Momente, in denen ich mich unsichtbar fühlte. Ich wollte verstanden werden, wollte, dass jemand hinsieht und erkennt, dass hinter Akten, Urteilen und Entscheidungen ein Mensch steht. Ein Mensch mit Ängsten, Träumen und dem tiefen Wunsch, einfach fair behandelt zu werden.
Heute erzähle ich diesen Fall, weil ich glaube, dass meine Erfahrung anderen Mut machen kann. Mut, die eigene Stimme zu erheben, Fragen zu stellen und nicht aufzugeben, auch wenn das Vertrauen erschüttert ist. Vielleicht beginnt Gerechtigkeit genau dort, wo wir aufhören zu schweigen und anfangen, unsere Geschichte zu teilen.

Die Rolle und die Erfahrungen unserer Ahnen
Über Generationen hinweg haben die Ahnen Kriege geführt und Zeiten der Verzweiflung, Verwüstung und Not durchlitten. Tod, Hunger, Kälte, Hass, Ohnmacht, Leid und Verzweiflung waren ihre Realität. Niemand von ihnen konnte den psychischen, seelischen und körperlichen Narben entkommen, die diese Kriege hinterließen – auch nicht die Eltern. Es war eine Zeit, in der Menschen hart arbeiteten, um ihren Familien wieder eine Existenz und Stabilität zu ermöglichen. Männer und ihre Söhne wurden in den Krieg eingezogen. Frauen und Töchter schufteten auf den Feldern, in Lazaretten, bangten um ihre Familien und oft auch um ihre Unversehrtheit. Viele von ihnen, die den Krieg erlebt hatten, reagierten später mit Wut, Ohnmacht, der Flucht in Süchte, Ekel, Hass und Trauer, was in Depressionen und emotionaler Kälte endete. Damals kümmerte sich niemand um die seelischen Narben, die seither durch verdrängte Emotionen, Ängste und Glaubenssätze festgehalten wurden.
Nach dem Wiederaufbau in den fünfziger Jahren trugen vor allem die Väter die alleinige Verantwortung für den Erhalt der Familie. Die Frauen hingegen waren für die Erziehung der Kinder und den Haushalt zuständig. Diese Rollenverteilung entwickelte sich später sowohl für Frauen als auch für Männer zum Nachteil und wurde beiden zum Verhängnis: Die Frauen waren oft mittellos, während die Männer ihre Narben der Vergangenheit auf ihre eigene Weise betäubten. Durch diese Flucht und die zunehmende innere Trennung der Familie entfernten sich beide emotional immer weiter voneinander.
Noch heute sind Sätze zu hören wie: „Das Leben ist hart“, „Wer rastet, rostet“, „Zeit ist Geld“, „Wer glaubst du, wer du bist?“, „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“, „Wer zu etwas kommen möchte, muss sich anstrengen“, „Ich muss Gas geben“ ... Dies sind einige der Glaubenssätze aus früheren Zeiten, die bis heute in unserem Nervensystem oder dem Unterbewusstsein unbewusst aktiv sind.
Doch stimmen diese Dogmen noch, und ist es wirklich notwendig, ihnen weiterhin zu folgen, um zu überleben?
Unbewusst wurden diese mit Ängsten, Emotionen, Verurteilungen und Verletzungen behafteten Affirmationen von den Eltern übernommen und bis heute als Glaubenssätze an ihre Kinder weitergegeben. Für Liebe, Geduld und Bewusstsein blieb damals kaum Raum, da die Priorität auf dem Leben und Überleben lag.
Der Großvater mütterlicherseits wurde zwei Jahre nach dem Ersten Weltkrieg geboren – in einer Zeit der Enttäuschung und Hungersnot. Mit 23 Jahren wurde Jules M. in den Zweiten Weltkrieg eingezogen und erlitt dort schwerste Traumata und Schmerzen.
Ende des Zweiten Weltkrieges, als die Befreiung stattfand, befand sich Jules im Kriegsgefangenenlager in Tambow, Russland. Dort musste er bis zu seiner Freilassung noch einige schwere Lernaufgaben durchleben. Niemand interessierte sich für die aufgestaute Wut und den Hass, die Jules zu bändigen versuchte. Einige Jahre nach diesem Schicksalsschlag trug Jules M. die Verantwortung für fünf Kinder und eine Frau. Er erhielt eine Arbeit im Stahlwerk. Die unbeantworteten Fragen zu seinem emotionalen und körperlichen Schmerz quälten ihn noch jahrelang – sichtbar in Wutausbrüchen, Angstzuständen, Ohnmachts-, Scham- und Schuldgefühlen. Beide Elternteile gaben ihr Bestes, auch wenn Jules manchmal tagelang nicht nach Hause kam und seine Frau ohne Essen und Geld auf ihn wartete.
Auch sie tat ihr Bestes – Suche den Schuldigen.

Die Mutter-Die erste Liebesbeziehung eines Neugeborenen
Die erste Liebesbeziehung eines Menschen beginnt bereits im Mutterleib. Der Herzschlag der Mutter, ihre Stimme und ihr Atemrhythmus bilden den ursprünglichen Resonanzraum, in dem sich ein Gefühl von Sicherheit, Geborgenheit und Verbundenheit entwickeln kann. Diese frühe Bindung legt die Grundlage für Urvertrauen, emotionale Stabilität und die Fähigkeit, später liebevolle Beziehungen einzugehen.
Wird das ungeborene Kind jedoch wiederholt mit innerer Distanz, Stress oder Ablehnung der Mutter konfrontiert, kann dies sein entstehendes Sicherheitsgefühl erschüttern. Das Kind reagiert mit erhöhter Anspannung, Stresshormonen und einer Art innerem Rückzug, um sich zu schützen. Anstelle von tiefer Ruhe und Verbundenheit prägen Unsicherheit, Alarmbereitschaft und ein diffuses Gefühl von „Nicht-geliebt-Sein“ die frühe Erfahrung.
Solche vorgeburtlichen Eindrücke können später die Bindungsfähigkeit beeinflussen: Misstrauen, Angst vor Nähe oder ein starkes Bedürfnis nach Bestätigung können Ausdruck dieser frühen Prägungen sein. Gleichzeitig bleibt das menschliche Bindungssystem formbar. Liebevolle Zuwendung nach der Geburt, feinfühlige Bezugspersonen und heilsame Beziehungen können dazu beitragen, frühe Verletzungen zu mildern und neues Vertrauen in sich selbst und andere zu entwickeln.
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Die Rolle des Vaters für sein Kind
Die Rolle des Vaters prägt die emotionale, soziale und psychische Entwicklung eines Kindes nachhaltig. Väter vermitteln Sicherheit, Orientierung und Werte und sind wichtige Bezugspersonen im Alltag. Je nachdem, wie ein Vater seine Rolle lebt, entstehen unterschiedliche Erfahrungen und innere Bilder von Beziehung, Nähe und Autorität.
Der liebende Vater
Der liebende Vater zeigt Zuneigung, Interesse und Wärme. Er hört zu, nimmt Gefühle ernst und stärkt das Selbstwertgefühl des Kindes. Durch seine verlässliche Präsenz entsteht Urvertrauen und das Kind lernt, dass es geliebt wird, so wie es ist.
Der aufopfernde Vater
Der aufopfernde Vater stellt oft die eigenen Bedürfnisse zurück, um dem Kind materielle Sicherheit und Chancen zu ermöglichen. Dies kann Geborgenheit und Dankbarkeit fördern, birgt aber auch das Risiko von Überforderung und unausgesprochenen Erwartungen, wenn die eigene Selbstfürsorge zu kurz kommt.
Der dominante Vater
Der dominante Vater setzt klare Regeln und erwartet Gehorsam. Struktur und Grenzen können Orientierung geben, doch zu viel Strenge oder Kontrolle können Angst, Anpassungsdruck und innere Rebellion auslösen. Kinder lernen dann eher, zu funktionieren, statt eigene Bedürfnisse zu spüren.
Der schwache Vater
Der schwache Vater wirkt unsicher, konfliktscheu oder emotional wenig greifbar. Kindern fehlt in solchen Konstellationen oft eine stabile Leitfigur. Sie übernehmen früh Verantwortung, passen sich an oder suchen Halt bei anderen Erwachsenen, was zu inneren Unsicherheiten führen kann.
Der abwesende Vater
Der abwesende Vater ist körperlich oder emotional nicht präsent. Diese Leerstelle kann beim Kind Fragen nach dem eigenen Wert, Loyalitätskonflikte und Sehnsucht auslösen. Zugleich können andere Bezugspersonen wichtige Funktionen übernehmen und dem Kind neue Formen von Bindung und Unterstützung bieten.
Entscheidend ist nicht ein perfektes Vaterbild, sondern die Bereitschaft zur Beziehung, Reflexion und Entwicklung, damit Kinder in einem verlässlichen, liebevollen Umfeld aufwachsen können.
